Lucca als Hauptstadt

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Nach den erfolgreichen Kriegen in der Garfagnana gegen die Este-Familie (1604-1620), lebte Lucca in Frieden und Wohlstand bis zur Ankunft der napoleonischen Truppen im Jahr 1799. Zum Erhalt ihrer Freiheit befolgte Lucca gewisse politische Ideale: Randstellung gegenüber internationalen Ereignissen, Verhinderung von Hinterhalten und Kontrasten mit den benachbarten Mächten, Schaffung eines imposanten Verteidigungssystems zur Abschreckung von möglichen Invasionen. Ein großer Teil der Staatsgelder wurde zur Erbauung des letzten Mauerrings eingesetzt, der 1645 fertiggestellt wurde.

Die Ergiebigkeit der Landwirtschaft, das wirtschaftliche Gewebe der kleinen und mittleren Unternehmen und der von den Regierenden geschützte soziale Frieden unterstützten den Erhalt des Wohlstands des Volkes. 1628 wurde Lucca definitiv eine oligarchische Republik: der Generalrat verfasste, nach venezianischem Beispiel, das Goldene Buch der 224 Familien, die Zugang zu den höchsten Ämtern hatten. Die Entscheidung ließ das politische System und das wirtschaftliche Leben verarmen und erstarren. 

Die protektionistisch orientierte Politik in Europa zwang die Luccheser weiter entfernte und schwierigere Absatzmärkte zu suchen. Ab dem 16. Jahrhundert wurde ein Großteil des Kapitals in die Landwirtschaft investiert, in die Urbarmachung und Bewirtschaftung des gesamten Gebietes der Republik, das sich zudem adeligen Villen bereichert wurde.
Die stabile finanzielle Lage ermöglichte die Bewertung der Tilgung der öffentlichen Verschuldung. Vorsichtig stellte sich die Regierung einigen aufklärerischen Reformen: 1758 druckten Ottaviano Diodati und seine Mitarbeiter die erste italienische Ausgabe der Encyclopèdie von Diderto und D’Alembert. 1790 wurde die Universität eingeweiht.

Dank ihrer kosmopolitischen Berufung durch die Verbindungen mit der Geschäftswelt, dem Handel und der Kultur überragte Lucca immer ihre nie einfache „provinzielle“ Dimension. Beim Wiener Kongress (1815) wurde Lucca zum Herzogtum (Ducatus Lucensis) konstituiert unter der Herrschaft von Maria Luisa von Spanien und dann von ihrem Sohn Karl Ludwig. Lucca wurde zur Hauptstadt und blieb es bis zur Annexion an das Großherzogtum der Toskana im Jahre 1847.

Die Stadt erlebte eine wirtschaftliche Blütezeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, vor allem in der landwirtschaftlichen, textilen und papierherstellenden Branche. Dies war auch dank der Wasservorräte des Gebiets möglich.